Lukrez(um 97-55 v. Chr.), eigentlich Titus Lucretius Carus, lateinischer Dichter. In seinem berühmten Lehrgedicht De rerum natura (Über die Natur der Dinge), einem hexametrischen Epos in sechs Büchern, vermittelt er die Theorien der griechischen Philosophen Demokrit und Epikur. Sein Werk gilt als bedeutendste Quelle zu Epikurs Philosophie. Lukrez’ Anliegen war es, dem Menschen die Angst vor dem Tod und vor den Göttern zu nehmen, von der er glaubte, sie beeinträchtige das menschliche Glück mehr als alles andere. Die Lektüre seines Werkes sollte eher belehren und überzeugen als unterhalten. Mit seiner Darstellung des Universums als Ansammlung von Atomen in zufälliger Kombination im leeren Raum, seiner nachdrücklich vertretenen Auffassung von einer materiellen und daher sterblichen Seele und aus der Überzeugung heraus, daß Naturerscheinungen sich ohne jegliche göttliche Einwirkung vollziehen, begründete er, daß die Furcht vor dem Übernatürlichen vollkommen unberechtigt sei. Lukrez schloß die Existenz von Göttern nicht aus, doch haben diese für ihn keinerlei Einfluß auf das Schicksal der Sterblichen. Zu den bekanntesten Passagen aus seiner Dichtung De rerum natura zählen die Beschreibungen der Entwicklung primitiver Lebensformen und der Entstehung der Kultur. Besonders deutlich wird der Einfluß von Lukrez’ Werk in Miltons Paradise Lost (Das verlorene Paradies). |