Sallustlateinisch Gaius Sallustius Crispus (86-35 v. Chr.), römischer Politiker und Historiker, der die römische Geschichtsschreibung maßgeblich prägte. Er wurde in Amiternum (heute San Vittorino bei L’Aquila) geboren und schlug zunächst die politische Laufbahn ein. Dabei schloss er sich als Gegner der Nobilitätsherrschaft und Anhänger der Volkspartei (Populares) eng an Julius Caesar an, von dem er sich eine Neuordnung der zerrütteten politischen Verhältnisse auf demokratischer Basis erhoffte. Nach seiner Quästur 54 v. Chr. richtete er sich während seiner Amtszeit als Volkstribun (52 v. Chr.) besonders gegen Cicero und dessen Parteigänger Milo. Nachdem er zwei Jahre später wegen angeblicher Unmoral, in Wirklichkeit aber wohl wegen seiner politischen Gesinnung aus dem Senat ausgeschlossen worden war, wurde er 48 v. Chr. von Caesar rehabilitiert, dessen Anhänger er auch im römischen Bürgerkrieg (49-45 v. Chr.) war. 49 v. Chr. war er noch einmal Quästor und wurde 46 v. Chr. von Caesar zum Prätor mit prokonsularischen Befugnissen in der neuen Provinz Africa ernannt. Bei deren Verwaltung bereicherte er sich persönlich so sehr, dass er als gemachter Mann nach Rom zurückkehrte und es sich leisten konnte, einen berühmten Luxuspark, die so genannten Horti Sallustiani (Sallustianischen Gärten), in der Nähe des Quirinals anlegen zu lassen. Nach Caesars Ermordung zog er sich aus dem politischen Leben zurück, um sich ganz der Geschichtsschreibung zu widmen, nachdem er bereits in seiner aktiven Zeit als Politiker einige kleinere Schriften verfasst hatte, darunter eine Invektive (Schmähschrift) gegen Cicero, deren Echtheit jedoch – wahrscheinlich zu Unrecht – von einigen Wissenschaftlern bezweifelt wird. Sein Hauptwerk Historiae (Geschichte), eine die Jahre 78 bis 67 v. Chr. umfassende Zeitgeschichte in fünf Bänden, ist nur in Bruchstücken überliefert. Seine beiden vollständig erhaltenen Werke sind monographische Darstellungen zweier zentraler Ereignisse der jüngeren römischen Geschichte, die er benutzt, um sein zentrales Thema, die Ursache für den Niedergang des römischen Staates, exemplarisch auszuführen. Dieser begann seiner Meinung nach mit dem Fall Karthagos als fortschreitender innerer Verfall, der von der Nobilität ausging und sich in einer Reihe schwerer innnenpolitischer Krisen äußerte. Das Werk De coniuratione Catilinae, auch Bellum Catilinae (Die Verschwörung des Catilina), beinhaltet eine lebendige Beschreibung eines Putschversuchs (63 v. Chr.) des verarmten römischen Patriziers Catilina gegen den römischen Staat. Das Bellum Jugurthinum (Der Jugurthinische Krieg) beschreibt besonders die Vorgeschichte des Krieges, den die Römer 111 bis 106 v. Chr. gegen Jugurtha, den König von Numidien, führten. Sowohl in seinem archaisierenden Stil als auch in Weltsicht und Geschichtsauffassung orientierte sich Sallust am Vorbild des griechischen Geschichtsschreibers Thukydides, von dem er auch die Technik übernahm, durch eingestreute stilisierte Reden und Briefe die Hauptpersonen eingehender zu charakterisieren und ihre Beweggründe nachvollziehbar zu machen. In der römischen Geschichtsschreibung beeinflusste er besonders Tacitus, der ihn als den „glänzendsten römischen Geschichtsschreiber" bezeichnete. |