Tibullus

Albius, dt. Tibull, um 50-19 oder 17 v. u. Z., röm. Elegiendichter aus dem Ritterstand, lebte auch nach dem Verlust eines Teils seines Besitztums infolge Landverteilung in gesicherten Verhältnissen. Er war mit Horaz befreundet und gehörte in Rom zum Kreis des M. Valerius Messalla Corvinus. Seine Gedichte besingen die Liebe zu Delia (im Buch 1), zu Nemesis (im Buch 2) und zu dem jungen Marathus mit der daraus erwachsenden Eifersucht, dem Kummer und Leid der Enttäuschung. Mit dem Liebesmotiv verbindet T. den Preis des idyll. Friedens als die Voraussetzung glückl. Liebe und das Lob des ital. Landlebens, das er mit seiner Einfachheit dem Krieg und der die Kriege verursachenden Habsucht gegenüberstellt. Seine Friedenssehnsucht ist subjektiv mit dem Verlangen nach einer besonderen Welt (Goldenes Zeitalter) verbunden und hat wenig Bezug zu dem unter Augustus hergestellten polit. Frieden (Pax Augusta), wie T. überhaupt Augustus und dessen Politik fernstand. Seine Gedichte sind von sentimentaler Weichheit und zarter Gefühlsinnigkeit geprägt. Die reine, kunstvoll elegante Sprache seiner jegl. Gelehrsamkeit vermeidenden Distichen ließen schon im Altertum T. als den größten röm. Elegiker erscheinen; seine Lyrik hat auf Goethe und Mörike Einfluß ausgeübt. In der aus 4 Büchern bestehenden Slg. (Corpus Tibullianum) befinden sich außer T.' Gedichten (Buch 1 und 2; 16 Gedichte) solche des Lygdamus, der Sulpicia, das hexametr. Preislied auf Messalla eines unbekannten Autors und Gedichte auf die Liebe der Sulpicia, bei denen T.' Verfasserschaft umstritten ist.


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